Dienstag, 11. Dezember 2012

Advent, Advent...


Kalia stellt sich zum 11. Dezember die Frage: Wie feiert eigentlich Japan Weihnachten oder "Kurisumasu", wie es auf Japanisch heißt? 


Feiert Japan überhaupt Weihnachten? Das fragten wir uns und gingen der Sache nach. In Japan ist nämlich im Gegensatz zu unserer westlichen Welt, nicht das Christentum die vorherrschende Religion, sondern dort sind es gar zwei Relgionen, der Shintoismus und der Buddhismus. Das Christentum macht in Japan gar nur ein Prozent der Bevölkerung aus. Wir fanden also schnell eine Antwort auf unsere oben gestellte Frage: aus religiösen Gründen feiert Japan sicherlich kein Weihnachten. Aber, wie in vielen anderen nicht christlichen Ländern auch, hat Santa Claus sowie der kommerzielle Geschenkewahn das Land Japan längst erobert. 

Hier ein bildlicher Eindruck japanischer Weihnachtskultur



Japanische Weihnachtstorte
Japanisches Einkaufszentrum

Besonders beeindruckend ist natürlich die Weihnachtstorte. Etwas für uns Europäer eher untypisches. Wir knabbern da lieber an den Weihnachtskeksen. Aber der genüsslichen Kreativität sollen keine Grenzen gesetzt werden. Die Torte stellt im übrigen eine Geburtstagstorte für das Christkind dar. 

So nun aber zurück nach Japan. In Japan ist das Weihnachtsfest eher ein Fest für junge Paare. Diese gehen am Weihnachtsabend in ein schickes Restaurant zum Essen. Die bekanntesten und besten Restaurants sind Wochen vor dem 24. Dezember restlos ausgebucht. Aber nicht nur diese, auch Fast Food Restaurants sind ausgebucht. Denn die Lieblingsgerichte an diesem Abend sind Pizza oder Hähnchennuggets mit Pommes Frites.  Viel andere feiern auch einfach Partys am Weihnachtsabend. Somit hat das japanische Weihnachtsfest weniger mit Besinnlichkeit zu tun. Bis auf junge Familien, die mit ihren Kindern am Weihnachtsabend oder Christtag ein kleines Fest mit Geschenken und Kuchen feiern. 

Allerdings haben die japanischen Schüler und Schülerinnen ebenso Ferien zu dieser Zeit und erhalten Geschenke wie die Kinder hier zu Lande. Es handelt sich jedoch um das "Jahresendgschenk" oder auf Japanisch "o-seibo". Dieses erhalten nicht nur Kinder, auch Verwandte, Freunde und Familie beschenken sich gegenseitig, um sich für etwas zu bedanken. Zum Jahreswechsel sind auch viele Firmen und Geschäfte geschlossen. Der Jahreswechsel ist traditionell das wichtigste Fest Japans. Dieses Fest heißt "ômisoka" und wird ähnlich, also besinnlich, wie unser Heilig Abend gefeiert. Wir in Europa lassen es an diesem Tag eher "krachen"! Jedenfalls gibt es den Brauch, "toshi-koshi soba", spezielle Jahreswechsel-Nudeln aus Buchweizen für ein langes Leben zu essen. 
 

"toshi-koshi soba"

 
Vor Mitternacht pilgern die Menschen zu den Tempeln. Ähnlich zur Wiener Pummerin, lauscht man in buddhistischen Tempeln den Silvesterglocken "joya-no-kane", die das alte Jahr ausläuten. Es sind exakt 108 Glockenschläge, die symbolisch für die 108 Leidenschaften, die die Menschen zur Erleuchtung überwinden müssen, stehen. Das Gebet gilt einem gesunden und erfolgreichen Jahr. 


"joya-no-kane"

Am Neujahrsmorgen gibt es "o-zôni", eine Suppe aus klebrigen Reisklößen. Später gibt es das Familien-Festessen "o-sechi ryôri", welches aus verschiedenen traditionellen Gerichten besteht und in einer lackierten schwarzen Box serviert wird. 
 
"o-sechi ryôri"

Tradition haben auch die Neujahrsgruß - und Glückwunschkarten, die am 1. Jänner ausgetragen werden. Postkarten mit dem Vermerk "nengajô" werden vom Postamt zurückgehalten, damit die Neujahrswünsche den Empfänger nicht zu früh erreichen.  
Der Neujahrstag "ganjitsu" jedenfalls ist ein offizieller Feiertag in Japan. Auch in Japan erhalten Kinder Geldgeschenke von Eltern und Verwandten. 




Und so klingt Frohe Weihnachten! auf Japanisch: Shinnen omedeto!

Quellen: 
http://onlinejournalismus.wordpress.com/2010/01/03/international-christmas-conspiracy/
http://www.filsetpierres.com/2009_12_01_archive.html
http://easytravel2tokyo.com/traditional.html
http://hillslearning.wordpress.com
http://www.elfferding.de/Neujahr.html

http://www.de.emb-japan.go.jp/feature/weihnachten.html

Montag, 10. Dezember 2012


Advent, Advent...


Rainer Maria Rilke zum 10. Adventsfenster


Advent
Es treibt der Wind im Winterwalde
Die Flockenherde wie ein Hirt,
und manche Tanne ahnt, wie balde
Sie fromm und lichterheilig wird,
Und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit,
Und wehrt dem Wind und wächst entgegen
Der einen Nacht der Herrlichkeit.
(Rainer Maria Rilke)

Quellen:
http://blog.fleedoo.ch/der-umweltbewusste-weihnachtsbaum/tannenbaum/

Sonntag, 9. Dezember 2012

Advent, Advent...


Das 9. Adventsfenster eignet sich ausgezeichnet zum Geschichten erzählen! 


Heute ist nämlich auch der 2. Adventssonntag! Und dies ist eine gute Gelegenheit - alleine oder mit lieben Menschen - in gemütlicher Kerzenstimmung Janosch Geschichte "Der alte Mann und der Bär" anzuhören. Vielleicht habt ihr bereits ein paar Weihnachtskekse zu Hause und genießt diese mit einer wärmenden Tasse Tee, eingehüllt in eine kuschelige Decke, zur folgenden - doch sehr nachdenklich machenden - Geschichte! 



...und jenen, denen die Geschichte sehr zu Herzen ging, helfen bestimmt die folgenden weisen Worte von Theresa von Avila (Mystikerin 1515 - 1582)

Gebet des älter werdenden Menschen

O Herr, du weißt besser als ich,
dass ich von Tag zu Tag älter 
und eines Tages alt sein werde.
Bewahre mich von der Einbildung,
bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema
etwas sagen zu müssen.

Erlöse mich von der großen Leidenschaft,
die Angelegenheiten anderer ordnen zu wollen.
Lehre mich, nachdenklich
aber nicht grüblerisch,
hilfreich, aber nicht diktatorisch zu sein.
Bei meiner ungeheuren Ansammlung
von Weisheit, erscheint es mir ja schade,
sie nicht weiterzugeben - aber du verstehst o Herr,
dass ich mir ein paar Freunde erhalten möchte. 

Bewahre mich
vor der Aufzählung endloser Einzelheiten
und verleihe mir Schwingen,
zur Pointe zu gelangen.

Lehre mich schweigen,
über meine Krankheiten und Beschwerden.
Sie nehmen zu - und die Lust, sie zu beschreiben,
wächst von Jahr zu Jahr.

Ich wage nicht, die Gabe zu erflehen,
mir Krankheitsschilderungen anderer
mit Freude anzuhören, aber lehre mich, 
sie geduldig zu ertragen.

Lehre mich die wunderbare Weisheit,
dass ich mich irren kann. 

Erhalte mich so liebenswert wie möglich.
Ich möchte kein Heiliger sein - 
mit ihnen lebt es sich so schwer,
aber ein alter Griesgram
ist das Krönungswerk des Teufels.

Lehre mich, an anderen Menschen
unerwartete Talente zu entdecken,
und verleihe mir o Herr, die schöne Gabe,
sie auch zu erwähnen. 

Und hier noch ein passender Kintopp für all jene die Michael Hanekes mittlerweile mehrfach preisgekröntes Meisterwerk "Amour" (Liebe) noch nicht gesehen haben. 




Filmkritik: "Bring mich nie wieder in ein Krankenhaus», bittet Anne (Emmanuelle Riva) ihren Mann. So beginnt George (Jean-Louis Trintignant) seine Frau zuhause zu pflegen. Soweit die minimalistische Handlung des Kammerspiels von Michael Haneke, dessen tragischen Ausgang der Film schon in seiner Eröffnungsszene vorwegnimmt. Ganz ohne jeglichen Kitsch oder aufgesetzte Dramatik konzentriert sich der Österreicher auf seine grandiosen Hauptdarsteller und beobachtet gnadenlos, konsequent und vermeintlich emotionslos, wie der Tod erst schleichend und schließlich eruptiv in die Ehe der Rentner Einzug hält. Doch weil die titelgebende Liebe in all ihrer Kraft dabei stets spürbar im Raum steht, überwältigt Amour den Zuschauer in einer Intensität, die keine musikalisch unterfütterte Rührseligkeit à la Hollywood je hätte hervorrufen können..." mehr zur Filmkritik von Patrick Heidmann hier: http://www.cineman.ch/movie/2012/Amour/review.html