Neubeginn.
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| "Entpuppt" |
Als
ich mir die Frage stellte, was „Neubeginn“ für mich bedeutet,
kam als spontane Antwort: Sterben. Gefolgt von: Verlassen, Tod,
Loslassen und Verabschieden. In diesem Moment war mir bewusst, dass
ich mich dem Thema Neubeginn nur unter Miteinbezug dieser sterbenden
Seite widmen kann. Ohne dieses „Sterben“, dieses Zurücklassen
gibt es keinen Neubeginn. Diese beiden Seiten gehören zusammen wie
Licht und Schatten, Sonne und Mond, Tag und Nacht, Hell und Dunkel,
Vater und Mutter, Yin und Yang. Dieses polare Spiel zeigt sich in den
alltäglichen Wandlungsprozessen in denen wir uns bewegen, in den
wechselnden Rollen die wir einnehmen und in der Beziehung zwischen
Bewusstem und Unbewusstem. So lassen wir morgens die Traumwelt
zurück, um im Wachbewusstsein unseren Tag zu leben. Wir wechseln die
Masken von Mutter, Vater oder Kind, um uns für den Berufs- oder
Schultag vorzubereiten und um uns mit den passenden Masken für diese
Rollen zu schmücken. Wenn wir abends wieder den Arbeitsplatz oder
die Schule verlassen, kehren wir in die „Familien- oder
Partnerrollen“ zurück. Wenn wir uns zurückziehen und alleine
sind, setzen wir wiederum andere, noch individuellere und
geheimnisvollere Masken auf, die nur für uns ganz allein wirken
dürfen. Wir erleben dieses Sterben und Neugeborenwerden auch, wenn
wir „das Licht der Welt erblicken“ – danach in jedem weiteren
Entwicklungsschritt. Immer wieder muss auf diesem Weg etwas geopfert
werden, um etwas Neues entstehen zu lassen. So auch, wenn wir als
Kinder plötzlich von uns als „Ich“ sprechen und damit beginnen
uns als Individuum, als „getrenntes“ Wesen zu erfahren. Ebenso
wenn wir uns in der Pubertät im Spannungsfeld zwischen „nicht
mehr“ Kind und „noch nicht“ Erwachsene/r nach Orientierung und
Abgrenzung aber auch nach Nähe sehnen. Wenn wir selbst Kinder auf
die Welt bringen und diese uns irgendwann wieder verlassen, um ihr
eigenes Leben zu leben. Wenn wir Partnerschaften eingehen, diese
verlassen, um wieder neue Partnerschaften entstehen zu lassen. Wenn
wir älter werden und erfahren, dass unser Körper sich verändert
und langsamer wird und der Fokus mehr nach innen geht. Wenn uns
jemand verlässt oder stirbt, der uns nahe steht. Ebenso verlassen
wir Orte, um an neuen Orten unser Glück zu suchen. Manchmal
geschieht dieses Verlassen eines vertrauten Ortes nicht gewollt, wenn
man sein Heimatland aus politischen Gründen oder aber weil man
verfolgt wird, verlassen muss.
Immer
wieder tun sich an diesen Wendepunkten in unserem Leben Lücken auf und ...